
Der deutsche Wald gehört zu den am besten erforschten Ökosystemen des Landes – und trotzdem überraschen die Zahlen dahinter immer wieder. Wie viele Bäume stehen eigentlich in Deutschland? Wem gehört der Wald überhaupt? Und wie geht es den Bäumen nach Jahren der Dürre wirklich? Ein Blick auf die aktuellen Statistiken zeigt: Der Wald ist größer, älter, vielfältiger und komplizierter organisiert, als man vermuten würde.
Rund 90 Milliarden Bäume – mehr als 1.000 pro Einwohner
Eine der beeindruckendsten Zahlen zuerst: In deutschen Wäldern wachsen schätzungsweise rund 90 Milliarden Bäume. Das entspricht mehr als 1.000 Bäumen pro Einwohner Deutschlands. Zählt man nur die größeren Bäume ab sieben Zentimetern Stammdurchmesser in Brusthöhe, kommt die Bundeswaldinventur auf 6,9 Milliarden Bäume – umgerechnet steht damit im Schnitt alle 17 Quadratmeter Waldfläche ein größerer Baum.
Diese Zahlen stammen aus der Bundeswaldinventur (BWI), die nur alle zehn Jahre durchgeführt wird. Dabei werden repräsentative Waldstücke komplett erfasst und die Ergebnisse anschließend auf die gesamte deutsche Waldfläche hochgerechnet – eine der aufwendigsten Naturerhebungen des Landes.
Ein Drittel Deutschlands ist Wald
Knapp ein Drittel der deutschen Landesfläche, etwa 11,5 Millionen Hektar, ist bewaldet. Damit zählt Deutschland zu den waldreichsten Ländern der Europäischen Union. Überraschend ist die regionale Verteilung: Rheinland-Pfalz und Hessen führen mit einem Waldanteil von jeweils 42,3 Prozent der Landesfläche, während Schleswig-Holstein mit nur rund 11 Prozent das Schlusslicht bildet. Bayern hat zwar die größte absolute Waldfläche mit rund 2,5 Millionen Hektar, liegt prozentual aber im Mittelfeld.
Die Waldfläche insgesamt wächst dabei seit Jahrzehnten leicht, aber stetig: In den letzten 50 Jahren kamen mehr als 1,5 Millionen Hektar neuer Wald hinzu, davon rund 15.000 Hektar allein im letzten Jahrzehnt.
Die Kiefer hat die Fichte als häufigsten Baum überholt
Lange galt die Fichte als der typische deutsche Waldbaum. Das hat sich geändert: Inzwischen ist die Kiefer mit einem Flächenanteil von 21,8 Prozent die häufigste Baumart in Deutschland, dicht gefolgt von der Fichte mit 20,9 Prozent. Bei den Laubbäumen führt die Buche mit 16,6 Prozent vor der Eiche mit 11,5 Prozent.
Der Wandel hat einen konkreten Grund: Die Fichte gilt als besonders anfällig für Trockenheit und Borkenkäferbefall und wurde in den vergangenen Jahren vielerorts durch klimastabilere Arten und Mischbestände ersetzt. Der Anteil an Laubbäumen in deutschen Wäldern nimmt insgesamt weiter zu – ein direktes Ergebnis des laufenden Waldumbaus hin zu klimaresilienteren Mischwäldern.
4,4 Milliarden Tonnen CO2 im deutschen Wald gespeichert
Deutschlands Wälder sind ein gewaltiger Kohlenstoffspeicher: Insgesamt binden sie schätzungsweise 4,4 Milliarden Tonnen CO2 im Holz. Damit leisten sie einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz – vorausgesetzt, der Wald bleibt stabil und wird nicht durch Schäden oder Kahlschläge geschwächt.
Gleichzeitig zeigt der Holzvorrat, wie viel Substanz tatsächlich im Wald steckt: Auf jedem Hektar deutschen Waldes stehen durchschnittlich rund 330 Kubikmeter Holz. Insgesamt lagern damit deutlich mehr als 3,4 Milliarden Kubikmeter Holz in deutschen Wäldern – ein Rekordwert im europäischen Vergleich.
Der Wald erholt sich nur langsam von den Dürrejahren
Ein Blick auf den Kronenzustand zeigt, dass die Trockenjahre 2018 bis 2020 immer noch tiefe Spuren hinterlassen haben. Die Waldzustandserhebung 2025 zeigt eine hohe Kronenverlichtung bei allen Baumarten: 35 Prozent der Bäume weisen eine „deutliche Kronenverlichtung“ auf, weitere 44 Prozent befinden sich in der sogenannten Warnstufe. Besonders betroffen sind ältere Bäume über 60 Jahre. Immerhin: Der Waldzustand hat sich im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabilisiert, eine echte Erholung ist aber noch nicht erkennbar.
Gleichzeitig gibt es auch positive Signale beim Holzeinschlag: 2025 wurden in deutschen Wäldern insgesamt 57,3 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen, das sind 6,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang lag vor allem am deutlich gesunkenen Schadholzeinschlag – also Holz, das wegen Sturm-, Dürre- oder Käferschäden geerntet werden musste. Mit 12,7 Millionen Kubikmetern lag dieser 2025 um 53,7 Prozent unter dem Vorjahreswert und damit so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Im Rekordjahr 2020 hatte der Schadholzanteil noch bei knapp drei Vierteln des gesamten Holzeinschlags gelegen.
Fast zwei Millionen Waldbesitzer – die meisten mit winzigen Flächen
Wem gehört der deutsche Wald eigentlich? Die Antwort überrascht: Es sind fast zwei Millionen private und körperschaftliche Waldeigentümer. Rund 48 Prozent der Waldfläche befindet sich in Privatbesitz, 20 Prozent gehören Kommunen und anderen Körperschaften, 29 Prozent den Bundesländern und nur 3 Prozent dem Bund.
Besonders auffällig ist die Zersplitterung des Privatwaldes: Rund 700.000 der etwa 760.000 privaten Waldbesitzer bewirtschaften Flächen von unter zehn Hektar. Die durchschnittliche Privatwaldfläche liegt bei nur etwa 2,5 bis 3 Hektar pro Eigentümer. Gleichzeitig entfallen nur rund 12 bis 14 Prozent der Privatwaldfläche auf Großbesitzer mit mehr als 1.000 Hektar. Der deutsche Wald ist also, anders als man erwarten könnte, überwiegend in der Hand sehr vieler, sehr kleiner Eigentümer.
Totholz als Lebensraum: 224 Millionen Kubikmeter
Ein weiterer überraschender Wert betrifft das sogenannte Totholz – abgestorbene Bäume und Baumteile, die im Wald verbleiben. Insgesamt liegen in deutschen Wäldern rund 224 Millionen Kubikmeter Totholz, dazu kommen rund 93 Millionen Bäume mit ökologisch bedeutsamen Baummerkmalen wie Höhlen oder Totholzanteilen. Totholz gilt als wichtiger Lebensraum für Insekten, Pilze und Vögel und wird in modernen Forstkonzepten gezielt im Wald belassen, statt vollständig entfernt zu werden.
Fazit
Der deutsche Wald ist weit mehr als grüne Fläche auf der Landkarte: Er ist Heimat von rund 90 Milliarden Bäumen, gehört fast zwei Millionen meist sehr kleinen Eigentümern, speichert Milliarden Tonnen CO2 und befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau von reinen Nadelwäldern hin zu klimastabileren Mischwäldern. Gleichzeitig zeigen die Zahlen zum Kronenzustand, dass die Folgen der Dürrejahre noch lange nicht überwunden sind. Die nächste Bundeswaldinventur wird zeigen, wie erfolgreich der Waldumbau bis dahin vorangekommen ist.
Quellen:
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): Waldzustandserhebung 2025
- BZL/landwirtschaft.de: Wie viele Bäume wachsen in Deutschlands Wäldern?
- Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW): Waldanteil
- Statistisches Bundesamt: Wald und Holz
- AGDW – Die Waldeigentümer: Waldeigentum in Deutschland
- Bundeswaldinventur: Waldland Deutschland
Hinweis: Die Angaben zum Baumbestand basieren größtenteils auf der Bundeswaldinventur (BWI), die nur alle zehn Jahre erhoben wird (zuletzt 2022), sowie auf aktuelleren Erhebungen wie der jährlichen Waldzustandserhebung und Daten des Statistischen Bundesamts, Stand 2025/2026.