Holzbau-Quote im Aufwind: So beliebt sind Holzhäuser wirklich (Zahlen & Fakten) 2026

Holzbau-Quote im Aufwind So beliebt sind Holzhäuser wirklich (Zahlen & Fakten) 2026

Holz ist längst nicht mehr nur etwas für Ökohäuser am Waldrand. Der Baustoff hat sich in den letzten zehn Jahren von einer Nische zu einer festen Größe im deutschen Wohnungsbau entwickelt. Doch wie groß ist der Anteil von Holzhäusern wirklich, wo steht Deutschland im Vergleich zum Nachbarland Schweiz, und wo hakt es noch? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt ein differenziertes, aber insgesamt sehr positives Bild.

24,1 Prozent: Die Holzbauquote erreicht einen neuen Höchststand

Im Jahr 2024 erreichte die Holzbauquote bei genehmigten Wohngebäuden in Deutschland mit 24,1 Prozent einen neuen Höchststand. Das bedeutet: Fast jedes vierte neu genehmigte Wohngebäude wird überwiegend mit Holz als tragendem Baustoff errichtet.

Besonders bemerkenswert ist der langfristige Trend: Die Holzbauquote hat sich innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. Bereits 2020 lag der Wert bei 20,4 Prozent, 2023 bei 22 Prozent – seitdem geht es kontinuierlich weiter nach oben. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern im Speziellen stieg der Holzanteil seit 2015 von 18 auf 28 Prozent.

Holz gegen Ziegel: Ein knappes Rennen bei Einfamilienhäusern

Bei den Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser lieferte sich Holz 2024 ein enges Rennen mit dem klassischen Ziegel: Ziegel kam auf 29 Prozent, Holz bereits auf 28 Prozent. Das macht Holz inzwischen zum zweitbeliebtesten Baustoff für diesen Gebäudetyp – nur noch hauchdünn hinter dem traditionellen Massivbau.

Auch bei Nichtwohngebäuden wie Büro-, Verwaltungs- oder Schulgebäuden hat sich Holz fest etabliert. 2024 lag der Holzanteil hier bei 25 Prozent, knapp hinter Stahlbeton mit 27 Prozent und Stahl mit 26 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag der Holzanteil bei Wohn- wie Nichtwohngebäuden noch bei jeweils nur rund 11 Prozent.

Der Mehrfamilienhausbau: größte Wachstumszone, aber noch Nachholbedarf

Während Ein- und Zweifamilienhäuser die Holzbauquote seit Jahren tragen, tut sich der Mehrfamilienhausbau schwerer. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Holzbauanteil bei Mehrfamilienhäusern erst bei 8,2 Prozent. Auf Jahresbasis 2024 hat sich dieser Anteil allerdings immerhin verdreifacht und liegt inzwischen bei knapp 8 Prozent – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau vor rund zehn Jahren.

Ein Trend zeigt sich besonders deutlich bei größeren Gebäuden: Die Zahl bewilligter Wohngebäude mit Holztragwerk und mindestens fünf Geschossen stieg zwischen 2014 und 2024 von 100 auf 215 – mehr als eine Verdopplung. Der mehrgeschossige Holzbau ist also kein Nischenphänomen mehr, auch wenn er absolut gesehen noch klein ist. Genau hier sehen Branchenexperten das größte ungehobene Potenzial: Steigende Grundstückspreise, Wohnraummangel und der Bedarf an kurzen Bauzeiten erhöhen den Druck, mehrgeschossige Gebäude stärker in Holzbauweise zu realisieren.

Süden vor Norden: Die großen regionalen Unterschiede

Wer in Deutschland ein Holzhaus baut, tut das statistisch gesehen deutlich wahrscheinlicher im Süden als im Norden. Baden-Württemberg führt bei Einfamilienhäusern mit einem Holzbauanteil von 46 Prozent – fast jedes zweite neu gebaute Einfamilienhaus im Land besteht überwiegend aus Holz. Bremen bildet mit nur 8 Prozent das Schlusslicht.

Auch bei Mehrfamilienhäusern liegt der Südwesten vorn: Baden-Württemberg erreicht hier eine Holzbauquote von 14 Prozent, gefolgt von Bayern mit 11 Prozent. Bayern selbst meldet für 2024 eine landesweite Holzbauquote von gut 27 Prozent bei allen neu gebauten Wohngebäuden – von insgesamt 18.572 errichteten Wohngebäuden waren 5.070 überwiegend aus Holz. Betrachtet man ganz Baden-Württemberg über alle Gebäudetypen hinweg, liegt die Holzbauquote sogar bei rund 33 Prozent.

Die Gründe für das Nord-Süd-Gefälle liegen nicht nur in der regional unterschiedlichen Baukultur – im Norden dominiert traditionell der Ziegel, im Süden das Holz –, sondern auch in unterschiedlichen Bauvorschriften und der Genehmigungspraxis der Bundesländer, die den mehrgeschossigen Holzbau mal mehr, mal weniger erleichtern.

Klimaschutz zum Anfassen: Millionen Tonnen CO2 gebunden

Der Holzbau-Boom hat auch eine handfeste Klimaschutz-Dimension. Allein im Neubau wurden in Baden-Württemberg 2024 rund 2,8 Millionen Tonnen CO2 in verbauten Holzprodukten gebunden – über die gesamte Lebensdauer der Gebäude betrachtet. Hinzu kommen vermiedene sogenannte graue Emissionen, die bei der Herstellung CO2-intensiverer Baustoffe wie Beton oder Stahl entstanden wären.

Im internationalen Vergleich: Deutschland vorn, aber die Schweiz zieht nach

Im DACH-Vergleich steht Deutschland bei der Holzbauquote insgesamt gut da – vor allem dank des Einfamilienhausbaus. In der Schweiz erreichte Holz 2024 bei Neubauten mit mindestens drei Wohneinheiten einen Anteil von 8,4 Prozent, unter Einbeziehung von Umbauten lag der Wert sogar bei 10,8 Prozent. Damit bewegt sich die Schweiz im mehrgeschossigen Bereich in einer ähnlichen Größenordnung wie Deutschland, mit teils sogar leicht höherem Tempo bei der Marktdurchdringung.

Ein aktuelles Trendbarometer der Branche geht davon aus, dass der Holzanteil im mehrgeschossigen Wohnungsbau in Deutschland und der Schweiz bis 2030 auf 10 bis 12 Prozent steigen könnte, in Österreich auf 5 bis 7 Prozent. Wichtig dabei: Es handelt sich um eine Markteinschätzung der Branche und nicht um eine amtliche Prognose.

Warum der Trend weitergehen dürfte

Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass die Holzbauquote auch in den kommenden Jahren weiter steigt:

Erstens ermöglichen vorgefertigte Fassaden-, Dach- und Technikmodule aus Holz gegenüber frühen Pilotprojekten inzwischen 50 bis 70 Prozent kürzere Bauzeiten und 30 bis 40 Prozent geringere Kosten – ein wachsender Vorteil angesichts der aktuellen Baukrise.

Zweitens gilt ein erheblicher Teil des Gebäudebestands als geeignet für serielle Sanierung mit vorgefertigten Holzbau-Elementen: Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur sind rund 30 Prozent aller Mehrfamilienhäuser dafür optimal geeignet, weitere 15 Prozent grundsätzlich technisch geeignet. Auch Aufstockungen bestehender Gebäude mit Holzkonstruktionen gewinnen an Bedeutung, da sie zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln.

Drittens bleibt der Wohnungsmangel ein struktureller Treiber: Trotz steigender Holzbauquote wurden 2024 insgesamt deutlich zu wenige Wohnungen genehmigt, um den Bedarf zu decken. Holzbau gilt vielen Branchenvertretern als Teil der Lösung, insbesondere wegen der kürzeren Bauzeiten und der Möglichkeit zu witterungsunabhängiger Vorfertigung.

Fazit

Mit einer Holzbauquote von 24,1 Prozent bei genehmigten Wohngebäuden ist Holz 2026 kein Nischenbaustoff mehr, sondern eine der tragenden Säulen des deutschen Wohnungsbaus – besonders bei Einfamilienhäusern, wo es dem Ziegel inzwischen dicht auf den Fersen ist. Der große Wachstumsmarkt der kommenden Jahre liegt jedoch woanders: im mehrgeschossigen Wohnungsbau und in der seriellen Sanierung des Gebäudebestands. Hier steht die Entwicklung trotz erster deutlicher Fortschritte noch am Anfang – mit erheblichem Potenzial für die kommenden Jahre.


Quellen:

Hinweis: Die Angaben basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes, Landesstatistiken sowie Branchenberichten von Holzbau Deutschland und Holzbauwelt.de, Stand 2024/2025 mit Einschätzungen für 2026. Marktprognosen wie das Trend Barometer sind Branchen-Einschätzungen und keine amtlichen Vorhersagen.

Nach oben scrollen