Schreiner- & Tischler-Handwerk Statistik: Zahlen, Fakten & Trends der Branche 2026

Schreiner- & Tischler-Handwerk Statistik Zahlen, Fakten & Trends der Branche 2026

Kaum ein Handwerksberuf ist so vielseitig wie der des Schreiners beziehungsweise Tischlers: Möbel, Innenausbau, Fenster, Türen, Treppen – die Branche bedient viele Marktsegmente gleichzeitig. Diese Breite macht sie widerstandsfähig, auch wenn sie 2026 mit denselben Herausforderungen kämpft wie viele andere Handwerksbranchen: sinkende Betriebszahlen, offene Nachfolgefragen und ein knapper werdender Nachwuchs. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen und Trends.

Die Branche in Zahlen: rund 35.000 Betriebe, knapp 30 Milliarden Euro Umsatz

Aktuell zählt die Branche in Deutschland rund 35.000 Tischler- und Schreinerbetriebe. Zusammen erwirtschaften sie knapp 30 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und beschäftigen über 200.000 Menschen. Damit gehört das Tischler- und Schreinerhandwerk zu den größeren und wirtschaftlich bedeutsamen Gewerken innerhalb des deutschen Handwerks.

Hinter diesen soliden Gesamtzahlen zeigt sich allerdings ein zwiespältiges Bild: Die Zahl der Betriebe ist seit Jahren rückläufig, wenn auch mit rund einem Prozent pro Jahr auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gleichzeitig wächst die Auftragslage nicht mehr so dynamisch wie in den vergangenen Jahren, während die Frage der Betriebsnachfolge für viele Inhaber drängender wird.

Das Handwerk insgesamt: ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Um die Größenordnung einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf das gesamte deutsche Handwerk: 2024 gab es hierzulande rund 564.000 Handwerksunternehmen im zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerk, die zusammen etwa 762 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten. Im Handwerk insgesamt waren im Jahresdurchschnitt rund 6,0 Millionen Personen tätig, darunter mehr als 4,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Allerdings zeigt sich auch beim Gesamthandwerk aktuell eine gewisse Abkühlung: Der real, also preisbereinigt, gemessene Umsatz im zulassungspflichtigen Handwerk sank im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent. Ende März 2026 waren zudem 1,6 Prozent weniger Personen im zulassungspflichtigen Handwerk beschäftigt als ein Jahr zuvor. Das Tischler- und Schreinerhandwerk bewegt sich also in einem Branchenumfeld, das insgesamt unter Druck steht.

Warum die Branche trotzdem widerstandsfähig bleibt

Ein entscheidender Vorteil des Tischler- und Schreinerhandwerks liegt in seiner breiten Aufstellung. Anders als reine Neubau-Gewerke sind Betriebe hier nicht nur vom Neubau abhängig, sondern bedienen gleichzeitig mehrere Marktsegmente: Möbelbau, Innenausbau sowie Fenster und Türen. Diese Vielseitigkeit federt konjunkturelle Schwankungen in einzelnen Bereichen ab.

Besonders die Themen Sanierung und Nachverdichtung im Gebäudebestand sorgen aktuell für eine gewisse Grundauslastung der Betriebe, während der reine Neubau schwächelt. Da der Modernisierungsbedarf im deutschen Gebäudebestand hoch bleibt, dürfte dieses Segment auch mittelfristig ein stabilisierender Faktor für die Branche bleiben.

Wirtschaftliche Substanz: hohe Wertschöpfung, solide Eigenkapitalquote

Betriebswirtschaftliche Auswertungen der Branche zeigen, dass viele Tischler- und Schreinerbetriebe trotz der schwierigeren Rahmenbedingungen wirtschaftlich robust aufgestellt sind. In früheren Betriebsvergleichen erreichte die Wertschöpfung je Beschäftigtem branchenweit Rekordwerte von fast 71.000 Euro, während der durchschnittliche Eigenkapitalanteil der Betriebe bei über 43 Prozent lag – ein für das kapitalintensive Tischlerhandwerk sehr solider Wert. Diese Substanz verschafft der Branche einen gewissen Puffer, um konjunkturell schwierigere Phasen zu überstehen.

Der Nachwuchs wird knapper

Eine der größten strukturellen Herausforderungen der Branche ist der Fachkräftemangel. Die Ausbildungszahlen zeigen einen langfristigen Rückgang: Gab es im Jahr 2000 noch mehr als 37.000 Auszubildende im Tischlerhandwerk, war diese Zahl bereits bis 2012 um rund die Hälfte gesunken. Der Trend hat sich seitdem fortgesetzt, unter anderem weil bundesweit die Schulabgängerzahlen zurückgehen und die Konkurrenz um gute Bewerber zwischen den Branchen zunimmt.

Aktuelle Ausbildungsstatistiken für das Holzgewerbe insgesamt bestätigen dieses Bild: 2024 wurden branchenübergreifend rund 1.600 neue Ausbildungsverträge mit Hauptschulabgängern geschlossen, deutlich weniger als noch 2021. Auch bei Bewerbern mit Realschulabschluss oder Hochschulreife war die Zahl neuer Ausbildungsverträge 2024 niedriger als in den Vorjahren. Positiv ist immerhin: Nach Umfragen der Branche bildet ein Großteil der Betriebe, rund 70 Prozent, aktiv aus. Bei Betrieben, die nicht ausbilden, ist der Hauptgrund meist das Fehlen geeigneter Bewerber.

Nachfolge als offene Baustelle

Neben dem Nachwuchsmangel bei Auszubildenden bereitet vielen Betriebsinhabern auch die eigene Nachfolge Sorgen. Da ein erheblicher Teil der Betriebsinhaber in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden wird, bleibt die Frage, wer viele der rund 35.000 Betriebe künftig weiterführt, für die Branche eine zentrale strategische Herausforderung. Verbandsvertreter mahnen bereits seit einiger Zeit, dass frühzeitige Nachfolgeplanung und eine gezielte Nachwuchsgewinnung enger zusammengedacht werden müssen, um den Fortbestand vieler kleiner und mittlerer Betriebe zu sichern.

Digitalisierung als wachsendes Thema

Auch im traditionell handwerklich geprägten Tischler- und Schreinergewerbe gewinnt die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist der wachsende Markt für individuell konfigurierte Maßmöbel: Immer mehr Betriebe bieten in eigenen Online-Shops Möbel nach Maß an, bei denen Kunden über digitale Konfigurationstools ihre Wünsche selbst gestalten können. Damit positionieren sich Tischler und Schreiner bewusst als hochwertige, individuelle Alternative zum industriellen Möbelhandel – ein Segment, in dem Handwerksbetriebe ihre Stärken bei Beratung, Maßanfertigung und Materialqualität gezielt ausspielen können.

Fazit

Das Tischler- und Schreinerhandwerk bleibt 2026 eine wirtschaftlich bedeutende, aber zunehmend geforderte Branche. Mit rund 35.000 Betrieben, knapp 30 Milliarden Euro Umsatz und über 200.000 Beschäftigten steht sie auf einem soliden Fundament, das durch die breite Marktaufstellung zwischen Möbelbau, Innenausbau und Fenster-/Türenbau zusätzlich stabilisiert wird. Gleichzeitig zeigen sinkende Betriebszahlen, ein spürbarer Fachkräftemangel und offene Nachfolgefragen, dass die Branche vor strukturellen Umbrüchen steht. Sanierung, Nachverdichtung und digitale Angebote wie Maßmöbel-Konfiguratoren dürften in den kommenden Jahren wichtige Wachstumsfelder bleiben, während der Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs branchenübergreifend weiter zunimmt.


Quellen:

Hinweis: Die Angaben basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes, des ZDH sowie Branchenberichten von handwerk magazin und Tischler Schreiner Deutschland, Stand 2025/2026. Einzelne Kennzahlen zu Wertschöpfung und Eigenkapitalquote stammen aus früheren Betriebsvergleichen der Branche und dienen der Einordnung der grundsätzlichen wirtschaftlichen Substanz.

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