Offene Stellen im Handwerk – Lage und Statistik Deutschland

Der Arbeitsmarkt im Handwerk ist seit Jahren durch einen deutlichen Fachkräftemangel geprägt – das zeigt sich besonders bei der Zahl offener Stellen. Trotz konjunktureller Schwankungen bleibt der Bedarf an Fachkräften hoch, und viele Positionen bleiben länger als in anderen Branchen unbesetzt. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))


Wie viele offene Stellen gibt es?

Im Jahr 2024 lagen die durchschnittlich gemeldeten offenen Stellen in Handwerksberufen bei etwa 220.000. Das ist im Vergleich zum Vorjahr sogar ein leichter Anstieg (plus etwa 0,7 %), obwohl die Gesamtzahl der offenen Stellen in der deutschen Wirtschaft leicht rückläufig war. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))

Gleichzeitig gibt es deutlich mehr offene Stellen als verfügbare Fachkräfte mit passender Qualifikation: Im Jahresdurchschnitt 2024 konnten rund 107.500 offene Stellen nicht besetzt werden, weil geeignete Fachkräfte fehlten. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))

Das bedeutet, dass etwa die Hälfte aller offenen Stellen im Handwerk nicht besetzt werden können, weil es einfach zu wenige qualifizierte Bewerber gibt. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))


Lange Besetzungszeiten

Ein weiterer Indikator für den Mangel an Arbeitskräften im Handwerk ist die Vakanzzeit – also die Dauer zwischen der Ausschreibung einer Stelle und ihrer Besetzung:

Laut Bundesagentur für Arbeit ist die durchschnittliche Vakanzzeit für Handwerksstellen von 104 Tagen im Jahr 2015 auf rund 224 Tage im Jahr 2024 gestiegen. Das bedeutet, dass offene Positionen im Handwerk deutlich länger unbesetzt bleiben als im Durchschnitt aller Berufe. (Bundesagentur für Arbeit)

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Besetzungsdauer aller gemeldeten Stellen stieg im gleichen Zeitraum „nur“ von 84 auf etwa 160 Tage. (DIE WELT)


Ursachen und betroffene Bereiche

Die Fachkräftelücke im Handwerk hat mehrere Ursachen:

  • Demografischer Wandel: Viele Fachkräfte gehen in den kommenden Jahren in Rente.
  • Nachwuchsmangel: Trotz Ausbildungsangeboten kommt der Nachwuchs nicht im erforderlichen Maße nach.
  • Spezifische Qualifikationserfordernisse: Handwerksberufe sind oft stark spezialisiert – ein Elektriker kann z. B. nicht einfach eine Stelle im Baugewerbe übernehmen, was die Besetzung offener Stellen erschwert. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))

In vielen Gewerken wie Energietechnik, Fahrzeugtechnik, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Bauelektrik sind offene Stellen besonders häufig und schwer zu besetzen. (Bundesagentur für Arbeit)


Arbeitsmarktentwicklungen im Kontext

Die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt zeigt, dass trotz insgesamt steigender Arbeitslosigkeit in Deutschland die Nachfrage nach Fachkräften im Handwerk weiterhin hoch bleibt:

Zwischen 2023 und 2025 hat die Zahl der arbeitslosen Handwerker:innen zwar zugenommen, doch die Zahl offener Stellen blieb mit rund 220.000 weiterhin groß. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))

Diese Entwicklung unterstreicht, dass der Arbeitsmarkt im Handwerk nicht durch einen Mangel an Arbeit, sondern durch einen Mangel an qualifiziertem Personal geprägt ist. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))


Zusammenfassung – Fakten auf einen Blick

Kennzahl Wert / Entwicklung
Offene Stellen im Handwerk (2024) ~220.000 im Jahresdurchschnitt (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))
Unbesetzte Stellen aufgrund Fachkräftemangel ~107.500 (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))
Vakanzzeit (2024) ~224 Tage (stark steigend) (Bundesagentur für Arbeit)
Vakanzzeit (2015) ~104 Tage (Bundesagentur für Arbeit)

Insgesamt zeigt die Statistik: Offene Stellen im Handwerk bleiben lange unbesetzt, weil die Zahl qualifizierter Fachkräfte nicht mit der Nachfrage Schritt hält. Die Besetzungszeiten haben sich drastisch verlängert, und viele Betriebe suchen händeringend nach passenden Mitarbeitenden – ein deutliches Zeichen für den fortdauernden Fachkräftemangel. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))


Fazit

Der Handwerkssektor in Deutschland hat trotz gesamtwirtschaftlicher Schwäche weiterhin einen hohen Bedarf an Arbeitskräften. Viele offene Stellen – weit über 200.000 – stellen Betriebe vor große Herausforderungen, weil geeignete Fachkräfte fehlen. Die steigenden Besetzungszeiten verdeutlichen, dass es nicht nur um viele offene Stellen geht, sondern vor allem um die Schwierigkeit, diese mit qualifiziertem Personal zu füllen. (Institut der deutschen Wirtschaft (IW))

Möglichkeiten wie Ausbildungsförderung, berufliche Qualifizierung und gezielte Fachkräftegewinnung – auch international – bleiben daher zentrale Bausteine, um diesem strukturellen Problem zu begegnen.

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