Holzknappheit in Deutschland Statistik 2026: Holzangebot, Einschlag und Preise

Gibt es 2026 in Deutschland eine Holzknappheit? Die Antwort fällt differenzierter aus, als es der Begriff zunächst vermuten lässt. Deutschland verfügt weiterhin über große Waldflächen und eine leistungsfähige Forst- und Holzwirtschaft. Gleichzeitig verändert sich das verfügbare Holzangebot. Vor allem beim Nadelholz ist die Situation angespannt, während die Folgen von Trockenheit, Borkenkäferbefall und Stürmen die Zusammensetzung des Holzbestands langfristig verändern.

Die aktuellen Zahlen zeigen zudem einen interessanten Gegensatz: Der gesamte Holzeinschlag in Deutschland ist zuletzt deutlich zurückgegangen, während die Preise für Rohholz 2026 wieder erheblich gestiegen sind. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Deutschland „kein Holz mehr hat“. Vielmehr treffen ein rückläufiger Einschlag bestimmter Holzarten, veränderte Waldstrukturen und eine anhaltende Nachfrage aufeinander.

Wie viel Holz wird in Deutschland eingeschlagen?

Nach den aktuellsten vollständigen Jahresdaten wurden 2025 in Deutschland insgesamt 57,3 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Das waren 6,4 Prozent weniger als 2024, als 61,2 Millionen Kubikmeter erreicht wurden.

Damit ist der Holzeinschlag innerhalb eines Jahres um knapp 4 Millionen Kubikmeter zurückgegangen.

Kennzahl 2024 2025 Veränderung
Holzeinschlag insgesamt 61,2 Mio. m³ 57,3 Mio. m³ -6,4 %
Schadholz 27,3 Mio. m³ 12,7 Mio. m³ -53,7 %
Fichte, Tanne, Douglasie & sonstiges Nadelholz 37,7 Mio. m³ 32,4 Mio. m³ -14,3 %
Kiefer & Lärche 12,0 Mio. m³ 13,2 Mio. m³ +9,2 %
Buche & sonstiges Laubholz 9,7 Mio. m³ 9,9 Mio. m³ +2,4 %

Quelle: Statistisches Bundesamt – Holzeinschlag nach Holzartengruppen.

Holzknappheit vor allem beim Nadelholz

Besonders relevant für die Diskussion um eine mögliche Holzknappheit ist die Entwicklung beim Nadelholz. Die Holzartengruppe Fichte, Tanne, Douglasie und sonstiges Nadelholz kam 2025 auf 32,4 Millionen Kubikmeter. 2024 waren es noch 37,7 Millionen Kubikmeter.

Gegenüber dem Rekordjahr 2020 beträgt der Rückgang sogar 48 Prozent. Trotzdem bleibt diese Gruppe die wichtigste Holzartengruppe beim deutschen Holzeinschlag.

Gerade Fichtenholz ist für die Bauwirtschaft von großer Bedeutung. Es wird unter anderem für Schnittholz, Konstruktionsholz, Brettschichtholz und andere Holzbauprodukte verwendet.

Die rückläufige Verfügbarkeit von Fichtenholz ist deshalb für Sägewerke, Holzverarbeiter und den Bau besonders relevant.

Schadholz: Die außergewöhnliche Situation der vergangenen Jahre

Ein wesentlicher Grund für die starken Schwankungen auf dem deutschen Holzmarkt waren die Waldschäden der vergangenen Jahre.

2020 wurden in Deutschland rund 60,1 Millionen Kubikmeter Schadholz eingeschlagen. Das entsprach damals 74,8 Prozent des gesamten Holzeinschlags. Vor allem Borkenkäferbefall nach Trockenperioden führte zu enormen Mengen an geschädigtem Fichtenholz.

Seitdem ist das Schadholzaufkommen deutlich zurückgegangen.

2025 wurden noch 12,7 Millionen Kubikmeter Schadholz eingeschlagen. Das entspricht nur noch 22,1 Prozent des gesamten Holzeinschlags. Im Vergleich zu 2020 beträgt der Rückgang rund 79 Prozent.

Das klingt zunächst positiv. Gleichzeitig bedeutet weniger Schadholz aber auch, dass die außergewöhnlich großen Mengen an Käfer- und Sturmholz, die in den vergangenen Jahren den Holzmarkt versorgt haben, nicht mehr in diesem Umfang zur Verfügung stehen.

Borkenkäferbefall geht zurück

Die wichtigste Ursache des Schadholzeinschlags bleibt der Insektenbefall.

2025 wurden 7,9 Millionen Kubikmeter Insektenholz eingeschlagen. Gegenüber 2024 entspricht dies einem Rückgang von 53,1 Prozent. Im Rekordjahr 2020 waren es noch 43,3 Millionen Kubikmeter.

Damit hat sich die Situation beim Borkenkäfer deutlich entspannt. Gleichzeitig sind die Folgen der vergangenen Schäden im Wald noch lange nicht verschwunden.

Insbesondere Fichtenbestände wurden in vielen Regionen stark reduziert. Neue Waldgenerationen benötigen Jahrzehnte, bis sie wieder als vollwertiger Rohstofflieferant zur Verfügung stehen.

Ist Deutschland trotzdem mit Holz unterversorgt?

Von einer generellen Holzknappheit kann nicht ohne Weiteres gesprochen werden. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Waldvorrat, jährlichem Holzzuwachs, Holzeinschlag und marktfähigem Holzangebot.

Deutschland verfügt über einen großen Holzbestand. Nicht jedes im Wald stehende Holz kann oder soll jedoch kurzfristig genutzt werden. Außerdem unterscheiden sich Holzarten und Qualitäten erheblich.

Für die Bauwirtschaft ist beispielsweise hochwertiges Nadelholz besonders wichtig. Ein großer Bestand an Laubholz kann diesen Bedarf nicht ohne Weiteres ersetzen.

Genau hier kann eine regionale oder produktspezifische Knappheit entstehen, obwohl insgesamt große Mengen Holz in deutschen Wäldern vorhanden sind.

Holzpreise steigen 2026 deutlich

Ein wichtiger Indikator für die Marktlage sind die Erzeugerpreise.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Erzeugerpreisindex für Rohholz aus Staatsforsten im März 2026 um 12,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Der Index erreichte einen Stand von 127,3 Punkten bei einem Basisjahr 2015 = 100.

Besonders deutlich war der Anstieg beim Stammholz. Dessen Preise lagen im März 2026 15,6 Prozent über dem Vorjahresmonat. Industrieholz verteuerte sich dagegen um 4,4 Prozent.

Holzpreis-Indikator März 2026 gegenüber März 2025
Rohholz insgesamt +12,9 %
Stammholz +15,6 %
Industrieholz +4,4 %

Damit liefert die Preisentwicklung ein wichtiges Indiz dafür, dass der Holzmarkt 2026 nicht von einem Überangebot geprägt ist.

Warum wird Holz teurer?

Steigende Holzpreise können verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören das verfügbare Angebot, die Nachfrage der Säge- und Holzindustrie, internationale Märkte, Energie- und Transportkosten sowie die Entwicklung des Baugewerbes.

Hinzu kommt die langfristige Veränderung der deutschen Wälder. Große Mengen Fichtenholz wurden nach den Dürre- und Borkenkäferjahren vorzeitig eingeschlagen. Dadurch steht heute weniger Fichtenbestand zur Verfügung.

Der Waldumbau hin zu stabileren Mischwäldern ist langfristig wichtig, führt kurzfristig jedoch dazu, dass bestimmte Nadelholzsortimente nicht unbegrenzt verfügbar sind.

Welche Holzarten sind in Deutschland besonders verfügbar?

Die Statistik zeigt, dass sich das Angebot zwischen den Holzarten deutlich unterscheidet.

2025 entfielen auf:

  • Fichte, Tanne, Douglasie und sonstiges Nadelholz: 32,4 Millionen m³
  • Kiefer und Lärche: 13,2 Millionen m³
  • Buche und sonstiges Laubholz: 9,9 Millionen m³
  • Eiche und Roteiche: 1,9 Millionen m³

Damit entfielen rund 56 Prozent des gesamten Holzeinschlags auf Fichte, Tanne, Douglasie und sonstiges Nadelholz.

Gerade diese Zahlen erklären, weshalb die Entwicklung beim Nadelholz für die Holzbauwirtschaft besonders relevant ist.

Wie viel Holz wird für den Bau verwendet?

Nicht das gesamte eingeschlagene Holz landet im Bauwesen. 2025 wurden rund 32 Millionen Kubikmeter beziehungsweise 55,9 Prozent des gesamten Holzeinschlags mit dem Verwertungsziel Stammholz eingeschlagen.

Weitere 11,8 Millionen Kubikmeter beziehungsweise 20,6 Prozent wurden als Industrieholz vorgesehen. Rund 10,7 Millionen Kubikmeter beziehungsweise 18,7 Prozent entfielen auf Energieholz.

Aus Stammholz entstehen unter anderem Schnittholz und Produkte für die Bauwirtschaft. Das zeigt, dass die Entwicklung des Holzeinschlags durchaus Auswirkungen auf die Versorgung der Bauindustrie haben kann.

Holzknappheit und Holzbau in Deutschland

Für den Holzbau ist die Situation ambivalent. Einerseits wächst die Nachfrage nach Holz als Baustoff. Andererseits ist gerade hochwertiges Nadelholz nicht beliebig verfügbar.

Die Holzbauquote im deutschen Wohnungsbau lag 2025 bei 24,4 Prozent. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht. Gleichzeitig ging der gesamte Wohnungsbau in den vergangenen Jahren stark zurück.

Wenn der Holzbau langfristig weiter Marktanteile gewinnt, könnte die Nachfrage nach Konstruktionsholz entsprechend zunehmen.

Für die Branche wird deshalb eine effiziente Nutzung des Rohstoffs immer wichtiger. Dazu gehören moderne Holzwerkstoffe, optimierte Konstruktionen, Kaskadennutzung und eine möglichst hochwertige Verarbeitung.

Holzknappheit 2026: Kein flächendeckender Mangel, aber strukturelle Herausforderungen

Die Bezeichnung „Holzknappheit“ sollte 2026 daher mit Vorsicht verwendet werden. Die aktuellen Zahlen belegen keinen generellen Mangel an Holz in Deutschland.

Sie zeigen jedoch mehrere Entwicklungen, die für eine angespannte Versorgung einzelner Marktsegmente sprechen:

  1. Der gesamte Holzeinschlag ist 2025 um 6,4 Prozent gesunken.
  2. Der Einschlag von Fichte, Tanne, Douglasie und sonstigem Nadelholz ging um 14,3 Prozent zurück.
  3. Das außergewöhnlich hohe Schadholzangebot der vergangenen Jahre ist weitgehend abgeklungen.
  4. Die Rohholzpreise lagen im März 2026 um 12,9 Prozent über dem Vorjahresniveau.
  5. Stammholz verteuerte sich sogar um 15,6 Prozent.
  6. Gleichzeitig steigt die Bedeutung des Holzbaus in Deutschland.

Diese Kombination kann insbesondere bei bestimmten Nadelholzqualitäten zu einer angespannten Marktsituation führen.

Ausblick auf den Holzmarkt in Deutschland

Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet deshalb nicht nur, wie viel Holz im deutschen Wald vorhanden ist. Entscheidend ist vielmehr, welche Holzarten in welcher Qualität und Menge nachhaltig zur Verfügung stehen.

Die Auswirkungen der vergangenen Dürre- und Borkenkäferjahre werden noch lange sichtbar bleiben. Gleichzeitig wachsen neue Mischwälder heran, die künftig eine andere Zusammensetzung des Rohstoffangebots bewirken könnten.

Für die Holzindustrie bedeutet das eine stärkere Diversifizierung. Neben Fichte und anderen klassischen Nadelhölzern gewinnen Kiefer, Douglasie und verschiedene Laubhölzer an Bedeutung. Gleichzeitig werden Holzwerkstoffe und materialeffiziente Konstruktionen wichtiger.

Fazit: Gibt es 2026 eine Holzknappheit in Deutschland?

Die Holzknappheit in Deutschland 2026 ist vor allem eine Frage der Holzart und Qualität. Ein allgemeiner Mangel an Holz ist anhand der aktuellen Statistiken nicht festzustellen. Deutschland verfügt weiterhin über erhebliche Holzvorräte und eine große Forstfläche.

Allerdings ist das Angebot an bestimmten wichtigen Sortimenten, insbesondere bei Fichten- und anderem Nadelholz, deutlich schwieriger geworden. Der Einschlag der entsprechenden Holzartengruppe sank 2025 auf 32,4 Millionen Kubikmeter und damit 14,3 Prozent unter den Vorjahreswert.

Gleichzeitig stiegen die Rohholzpreise im März 2026 um 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Damit lässt sich die Situation am besten als strukturell angespannter Holzmarkt beschreiben und weniger als flächendeckende Holzknappheit. Für den Holzbau, die Sägeindustrie und die Holzverarbeitung bleibt die langfristige Entwicklung des deutschen Waldes dennoch ein entscheidender Faktor.

Quellen und weiterführende Informationen

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